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Nicole Gruschinski

Gladbeck erinnert an das Geiseldrama

Gladbeck erinnert an das Geiseldrama
Eine Gedenktafel erinnert an die Opfer des Geiseldramas von 1988. Fotos: Gruschinski

Seit 38 Jahren ist Gladbeck mit dem Banküberfall verbunden - In der Medienbranche wurden im Anschluss deutlich strengere Verhaltensregeln und ethische Standards eingeführt

Im Rahmen des Projekts „Historische Orte in Gladbeck“ hat Bürgermeisterin Bettina Weist an der Schwechater Straße in Rentfort-Nord eine neue Geschichtstafel an die Bürgerschaft übergeben. Die nun 16. Informationstafel der seit 2008 vom Stadtarchiv betreuten Reihe widmet sich der Geiselnahme von Gladbeck im Jahr 1988. Dieses unrühmliche Ereignis ist in der Gladbecker Erinnerungskultur bis heute präsent – und weit über die Stadt‑ und sogar Landesgrenzen hinaus bekannt.

Wer in den vergangenen 38 Jahren im Urlaub seinen Heimatort Gladbeck nannte, bekam oft dieselbe Frage zu hören: „Ist das nicht da, wo das Geiseldrama war?“ Kaum ein nationales Ereignis hat sich so tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt wie der missglückte Banküberfall von Dieter Degowski und Hans‑Jürgen Rösner, der Deutschland vom 16. bis 18. August 1988 in Atem hielt.

54 Stunden hielten Deutschland in Atem

Auf ihrer Flucht quer durch Deutschland und die Niederlande nahmen die beiden – begleitet von Rösners Lebensgefährtin Marion Löblich – zahlreiche Geiseln. Über 54 Stunden entwickelte sich ein dramatischer und chaotischer Einsatz, in dessen Verlauf Polizei und Medien massive Kritik auf sich zogen. Insbesondere die Medien gerieten damals stark in die Kritik. Einige Journalisten machten sich durch ihre Berichterstattung faktisch zum Werkzeug der Täter und boten den Geiselnehmern eine öffentliche Bühne. Die Folgen waren weitreichend: In der Medienbranche wurden im Anschluss deutlich strengere Verhaltensregeln und ethische Standards eingeführt.

Am Ende verloren drei Menschen ihr Leben, viele weitere wurden verletzt. Das Gladbecker Geiseldrama löste eine bundesweite Debatte über Medienethik, Polizeitaktik und Verantwortung im Krisenfall aus und gilt bis heute als eines der prägendsten Verbrechen der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Tragische Verbindung

„Für viele außerhalb Gladbecks ist unsere Stadt bis heute eng mit diesem tragischen Ereignis verbunden“, betonte Bürgermeisterin Bettina Weist in ihrer Rede zur Einweihung der Gedenktafel. „Für uns, die hier leben, ist das nicht immer leicht. Und doch gehört diese Geschichte zu Gladbeck. Auch wenn sich der Standort inzwischen völlig verändert hat, ist es wichtig, die Ereignisse von damals nicht zu vergessen“, so Weist.

Daher erinnert nun eine Gedenktafel am Ort des Geschehens an die drei Opfer: Silke Bischoff (18), Emanuele De Giorgi (14) und den Polizisten Ingo Hagen (31). Über den QR‑Code auf der Tafel gelangen Interessierte zu weiteren Informationen auf der Internetseite der Stadt Gladbeck.

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