Gladbeck wird zur Lesestadt: Eine Woche voller Bücher, Geschichten und Begegnungen
Von hier aus zog er los, um in Clubs und auf Festivals in ganz Europa aufzulegen und Menschen mit seinem Sound zu begeistern. Sein nächstes Ziel hat der DJ und Produzent bereits im Blick: die USA. Zeit also, einen Blick auf die Erfolgsgeschichte des Deutsch‑Italieners aus dem Ruhrpott zu werfen.
Wenn Salvatore auflegt, verwandelt sich jeder Club in ein pulsierendes Erlebnis aus Energie, Rhythmus und purer Feierlaune. Der 35‑Jährige, der heute in Gelsenkirchen-Horst lebt, gehört zu den meistgebuchten Acts seiner Szene – bis zu 150 Shows pro Jahr, Festivalbühnen, Clubnächte, Open‑Airs. Trotz seiner europaweiten Präsenz bleibt Mancuso eng mit dem Ruhrgebiet und seiner Heimatstadt Gladbeck verbunden. Noch im vergangenen Jahr sorgte er beim Feierabendmarkt für einen der bestbesuchten Abende, und im Oktober steht er in der Mathias‑Jakobs‑Stadthalle an den Turntables.
24 Jahre hat Mancuso in Gladbeck gelebt, eine Zeit, die ihn ebenso geprägt hat wie seine musikalischen Wurzeln in Brauck, wo seine Eltern bis heute wohnen. Schon früh kam er zur Musik: Sein Vater betrieb fast 18 Jahre lang ein Musikgeschäft in Gelsenkirchen‑Horst, verkaufte DJ‑Equipment und installierte Licht‑ und Tontechnik in Diskotheken. Für Salvatore war dieser Laden ein zweites Zuhause. Er konnte jederzeit üben, ausprobieren, sich an den Geräten versuchen.
Im Elternhaus entdeckte er irgendwann die versteckten Schallplatten seines Vaters, ein Schatz, verborgen in einem kleinen Kabüffchen. „Da bin ich nachts immer raus und hab mir Platten rausgesucht“, erinnert er sich. Mit sechs oder sieben bekam er seinen ersten Plattenspieler geschenkt. Barry White, Michael Jackson, Funk, Soul, Disco, die warmen Sounds der 70er, 80er und 90er wurden zu seinem Fundament. „Das ist echt mein Ding, da bin ich hängen geblieben.“
Mit zehn Jahren stand er zum ersten Mal selbst hinter dem DJ‑Pult – ein Moment, der den Beginn einer Laufbahn markierte, die heute weit über die Region hinausstrahlt. Er beobachtete fasziniert, wie sein Vater aus Vinyl, Technik und Gefühl ganze Nächte formte. Diese Mischung aus Handwerk und Herz hat ihn nie losgelassen. Doch die Branche hat sich verändert: „Damit verdient man leider kein Geld mehr. Deswegen müssen die Remixe her, im neuen Stil, damit die jungen Leute auch was davon haben.“
Zwischendurch gab es auch eine Phase, „in der ich sehr viel Mist gebaut habe.“ Das Ergebnis: ein schulisches Förderprojekt im Mikado neben der Bücherei. „Die Lehrer dort waren so cool, dass sie mich heute noch bei Shows besuchen.“ Schon damals wusste er, dass er nichts anderes machen wollte als Musik. Daher beendete er die Ausbildung zum Altenpfleger bereits nach wenigen Monaten.
Heute verbindet Mancuso die Energie moderner Clubmusik mit dem analogen Herzschlag seiner Kindheit. Er ist ein Künstler, der aus Gladbeck und Horst herausgewachsen ist, aber nie vergessen hat, wo seine ersten Platten standen und wo die Leidenschaft begann, die ihn bis heute antreibt.
Seine Mixe entstehen teilweise mit Originalstimmen, wie bei „Whole Again“ von Atomic Kitten. „Der Song entstand zuerst ohne Freigabe. Die erste Demo war mit dem Originalgesang.“ Später fand sein Team eine passende Sängerin. Ihm war bewusst, dass eine Veröffentlichung ohne Erlaubnis riskant ist, theoretisch können mehrere Millionen fällig werden. Trotzdem lud er den Song hoch.
Über Nacht ging der Remix auf TikTok viral: 18 Millionen Aufrufe. Besonders gefreut hat ihn, dass ein Atomic‑Kitten‑Mitglied persönlich kommentierte: „Hey, das ist mein Song.“ Kurz stand die Löschung im Raum, doch Mancuso entschied: „Nee, warum?“ Eine gute Entscheidung, das Label gab den Song wegen des Erfolgs frei. Heute erscheint seine Version als erste, wenn man auf YouTube danach sucht.
Trotz guter Einnahmen durch Songs bleibt seine Haupteinnahmequelle aber weiterhin die Bühne.
Atomic Kitten ist eine seiner Lieblingsbands, genauso wie DJ Bobo, dessen Songs er als Kind auswendig konnte. Während seine Schwester mit Britney‑Spears‑Schuhen unterwegs war, trug er DJ‑Bobo‑Sneaker. „Deswegen liebe ich diesen Stil und spiele ihn, für mich und meine Zielgruppe Ü30.“
Seine Zielgruppe ist bewusst breit: Ü30 bis Ü70. „Ich möchte ein Publikum, das Musik fühlt, dankbar ist und bleibt.“ Bei seinen Shows erlebt er emotionale Begegnungen, Nachrichten von Menschen, denen seine Musik nach schweren Zeiten wieder Freude gegeben hat. „Genau dafür mache ich das.“ Und manchmal gibt es sogar kosmetische Tipps von Fans, wenn er auf Instagram seine beginnenden Falten thematisiert.
Obwohl er heute gut im Geschäft ist, kennt Mancuso auch Zeiten, in denen alles anders war. Während der Corona‑Pandemie stand er wie viele andere kurz vor dem Abgrund. Von jetzt auf gleich konnte er nicht mehr auftreten. Rechnungen kamen weiter, das Team wollte bezahlt werden, das Management wartete auf Einnahmen. „Der Boden unter dir öffnet sich und du fällst rein, ganz tief.“
Doch Aufgeben war keine Option. Er riss sein Ankleidezimmer heraus, baute ein Studio mit Greenwall und ging live – auf TikTok, Instagram, Twitch. Er fuhr nach Aachen, versteckt im Auto, um ein Kameragerät abzuholen, weil man nirgendwo etwas kaufen konnte. „Ich wollte zeigen: Ich bin noch da. Macht euch keine Sorgen.“ Heute ist diese Zeit Geschichte.
Sein nächstes großes Ziel ist der amerikanische Markt – Miami, New York, die großen Hotspots. „Klar, ist immer die Frage, ob die Rechnung aufgeht und meine Musik dort ankommt. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Dafür muss er seinen Sound variieren, anpassen, weiterentwickeln.
Ein weiteres Ziel: das Tomorrowland‑Festival in Belgien, eines der größten Festivals der Welt. Seit drei Jahren arbeitet er mit seinem Team darauf hin.
Wer ihn live sehen möchte, kann das am 10. Oktober. Dann präsentiert Mancuso in Gladbeck exklusive neue Produktionen, Remixes und Live-Edits, die er speziell für diesen Abend vorbereitet hat. Die Besucher dürfen sich auf eine intensive, tanzbare Nacht freuen, die die Stadthalle in eine atmosphärische Clubkulisse verwandelt.
Gladbeck Beats mit Salvatore Mancuso 10. Oktober 2026 | Beginn: 20 Uhr Mathias-Jakobs-Stadthalle, Friedrichstraße 53, 45964 Gladbeck Eintritt: 19,50 € (Vorverkauf) | 25,00 € (Abendkasse) Tickets: ticketverkauf.gladbeck.de