I Gemelli: Italienisches Lebensgefühl aus Gladbeck
Der Bestand enthält neben persönlichen Angaben auch Informationen zu Wehrmachtsangehörigen sowie teilweise zur Mitgliedschaft in nationalsozialistischen Organisationen. Damit steht eine weitere wichtige Quelle zur Geschichte Gladbecks während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs für die Recherche zur Verfügung.
Die Soldatenkartei ist Teil des sogenannten „Kriegsarchivs“ der Stadt. Das Schriftgut entstand mit Ausbruch des Zweiten Weltkrieges beim Büro des Oberbürgermeisters. Neben der Personenkartei umfasst der Bestand Einzelakten, Berichte, Propagandaschriften sowie eine umfangreiche Sammlung an Fotodokumenten. Die Unterlagen wurden von den handelnden Personen als eine Art Kriegschronik geführt, in der Überzeugung, Beobachter eines einschneidenden Epochenumbruchs zu sein.
Die Kartei ermöglicht einen Einblick in die Geschichte der Männer, die aus Gladbeck stammten oder einen Bezug zur Stadt hatten und als Wehrmachtsangehörige oder Mitglieder nationalsozialistischer Organisationen am Krieg beteiligt waren. Erfasst sind unter anderem 60 SA-Männer und 76 SS-Männer. 45 der in der Kartei erfassten SA-Männer wurden in Gladbeck geboren, bei den SS-Männern sind es 59. Insgesamt dokumentiert die Kartei 198 NSDAP-Mitgliedschaften, darunter zahlreiche Offiziere und Unteroffiziere in Wehrmacht und SS.
Die Personenkartei enthält darüber hinaus Informationen zur lokalen Partei-, SA- und HJ Mitgliedschaft. Sie bietet damit einen exemplarischen Zugang zu einer Frage, die für die lokale Geschichte weiterhin von Bedeutung ist: Wer waren die Männer, die im nationalsozialistischen Deutschland zu Helden verklärt wurden und von denen viele als Wehrmachtssoldaten oder Angehörige von SS- und Polizeieinheiten zu Tätern oder Mittätern des Vernichtungskrieges wurden?
Für die Nutzung der Unterlagen zu privaten, wissenschaftlichen oder bildungspolitischen Zwecken empfiehlt das Stadtarchiv die Überprüfung der Mitgliedschaftsangaben anhand der Bestände in auswärtigen Archiven in jedem Einzelfall. Über diesbezügliche Recherchemöglichkeiten informieren vor allem die Internetseiten des Bundesarchivs.
Der Best. 4-G / Gladbecker Soldatenkartei wurde im Rahmen eines mehrjährigen Projektes bestandsschonend gereinigt, digitalisiert und bis zur Findbuchreife erschlossen. Über das Portal „Archive in Nordrhein-Westfalen“ gelangen Familienforschende und andere Interessierte zum Datenbestand, in dem sich kostenlos in derzeit 2.029 Personendatensätzen nach Angehörigen eventuell der eigenen Familie recherchieren lässt. Die Einsichtnahme in die aufwendig digitalisierte Kartei erfolgt vorerst vor Ort im Lesesaal des Stadtarchivs, die Nutzung ist für jedermann gebührenfrei.
Auf Anfrage können Digitalkopien vom Stadtarchiv bereitgestellt werden – ein insgesamt wichtiger Beitrag im Kontext der kommunalen Erinnerungskultur.
Zu beachten ist: Aus Gründen des Datenschutzes sind aktuell acht Personendatensätze nicht veröffentlicht, darunter fallen vier Wehrmachtssoldaten der Geburtsjahrgänge 1926 und 1927 in Kriegsgefangenschaft und weitere vier Personen, die auf den Karteien als kriegsvermisst gekennzeichnet sind.
Das Stadtarchiv arbeitet auf Grundlage des Archivgesetzes Nordrhein- Westfalen. In § 7 Abs. 1 sind die „personenbezogenen Schutzfristen“ für Archivgut definiert, das sich auf natürliche Personen bezieht.
Eine unbeschränkte Nutzung des Best. 4-G / Gladbecker Soldatenkartei 1939-1945 ist frühstens ab 1. Januar 2028 möglich. Weiterführende Informationen zur Benutzung des Stadtarchivs und seiner Bestände unter: www.archive.nrw.de/stadtarchiv-gladbeck.