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Nicole Gruschinski

Wirbel um Projekt Germany in Gladbeck

Wirbel um Projekt Germany in Gladbeck
Symbolfoto Foto: Pixabay/thekaleidoskope

Veranstalter und Stadt Gladbeck geben sich gegenseitig die Schuld am Ausfall der Veranstaltung

Es sollte die Mega-Show in Gladbeck werden. Die Projekt Germany versprach, auf dem Fußballplatz von Adler Ellinghorst die Mega-Show des Jahres. "Die größten mobilen Eventshows, 100% Reizüberflutung, atemberaubende Shows und jede Woche eine andere Stadt", so die vollmundigen Versprechen. Unter anderem wird mit 150 Meter hohem Feuerwerk und bis 35 Meter hohen Flammen geworben, schwierig im Sommer und in Nähe des Wittringer Waldes.

Viel geboten werden sollte also, nur dumm, dass man den Ticketverkauf gestartet hat, bevor alles in trockenen Tüchern und genehmigt war. Nun sollen die Kunden ihr Geld schnell und unkompliziert zurückerstattet bekommen, so der Veranstalter und beschwert sich über den "zwischenmenschlichen Umgang der Stadt Gladbeck", der zu dieser Absage geführt hat. "Stolpersteine seien ihnen kurzfristig unvorangemeldet in den Weg gelegt worden, wie sie es in keiner anderen Stadt bisher erlebt haben", beklagt sich der Veranstalter in einer E-Mail an Kunden. Laut eigener Aussage haben sie im Vorfeld alle Unterlagen an die Stadt eingereicht, hätten aber teilweise keine Rückmeldung erhalten, oder diese an eine falsche E-Mail-Adresse versandt worden und nie bei ihnen angekommen sein. In einem in Kürze erstellten Video und bei einem Pressetermin soll dazu Aufklärung und Stellungnahme dazu betrieben werden.

Die Stadt sieht hingegen die Schuld beim Veranstalter. In einer Stellungnahme auf Anfrage erklärt die Stadtverwaltung hierzu:

"Hintergrund ist, dass der Fußballverein Adler Ellinghorst zu Beginn des Jahres auf uns als Sportverwaltung mit dem Wunsch zugekommen ist, ein Event auf dem Sportplatz zu unterstützen. Dazu sei man unter 600 Bewerbern "ausgewählt" worden. Wie diese Auswahl zustande kam, ist uns nicht bekannt.
 
Zur Unterstützung haben wir natürlich Bereitschaft signalisiert. Dazu waren wir, d.h. ganz unterschiedliche Dienststellen der Verwaltung, seit Februar mit dem Verein und mit dem potentiellen Veranstalter im Gespräch. Mitte Februar wurde ihm dezidiert, schriftlich und mit Angabe der jeweiligen Ansprechpartner inklusive Kontaktdaten mitgeteilt, an wen die erforderlichen Anträge für die Veranstaltung zu stellen sind. Im März erfolgte ein erneuter Hinweis, welche Unterlagen für eine Prüfung der Genehmigung der Veranstaltung einzureichen sind. Der Charakter der Veranstaltung hatte sich da leider schon grundsätzlich verändert.
 
Höhere Auflagen nach Love-Parade 2010
 
War zunächst erst von einer Musikshow für die ganze Familie mit Lasereffeffekten die Rede, erhielten wir im April durch eigene Internetrecherche davon Kenntnis, dass ein ganz anderes Format geplant ist (u.a. mit Feuer- und Pyroshow, die bis zu 125 Meter hoch sein sollten). Dies ist am Rande des Wittringer Waldes bei zu erwartender Trockenheit überhaupt nicht zu verantworten. Auch die traurigen Erfahrungen der Love Parade 2010 haben dafür gesorgt, dass alle Auflagen, gerade die im Sicherheitsbereich, genauestens zu erfüllen sind.
 
Erst Anfang Juni wurden durch den Veranstalter Unterlagen eingereicht, die jedoch viel zu allgemein und in keiner Weise an die örtlichen Gegebenheiten angepasst waren. Die geforderten Unterlagen liegen also zum Großteil bis heute nicht vor, weder ein an die Gegebenheiten des Sportplatzes angepasstes Sicherheitskonzept, noch die Angabe des konkreten Sicherheitsdienstes mit Kontaktdaten und Personaleinsatzstärke, ein Antrag auf Alkoholausschank oder ein Antrag auf Erteilung einer Ausnahmeerlaubnis nach LImSchG wurden bisher eingereicht. Ein Bauantrag wurde ebenfalls nicht eingereicht, trotz mehrfacher mündlicher und schriftlicher Erinnerung. Auch erfolgte bislang keinerlei Abstimmung mit der Feuerwehr.
 
Wir haben immer wieder (Sportabteilung / Büro der Bürgermeisterin / Amt für öffentliche Ordnung /) und auch durch ein persönliches Gespräch im Juli mit Stadtbaurat Dr. Volker Kreuzer auf die fehlenden Unterlagen und die damit nicht zu genehmigende Veranstaltung hingewiesen. Bislang haben uns keine Unterlagen dazu erreicht. Trotzdem wurden trotz fehlender Genehmigung unserer Kenntnis nach bis Ende vergangener Woche Karten für die Veranstaltung verkauft.
 
Zu einem gemeinsamen Ortstermin erschien der Veranstalter nicht. Ähnliche negative Erfahrungen haben auch andere Kommunen mit diesem Veranstalter gemacht, wo sich ebenfalls nicht an Absprachen und Vorgaben gehalten wurde, es im Nachgang massive Beschwerden gab und die Kommune im Rechtsstreit mit dem Veranstalter liegt. In NRW hat unseres Wissens nach bisher auch noch keine solche Veranstaltung stattgefunden. Dass Karten verkauft werden für eine Veranstaltung, die nicht genehmigt ist, ist ebenfalls äußerst fragwürdig. In der Summe können wir uns auf dieser Grundlage auch 2024 keine Zusammenarbeit mit besagtem Veranstalter vorstellen.
 
Zu einem gemeinsamen Ortstermin erschien der Veranstalter nicht.
 
Mit Adler Ellinghorst und auch dem SV Ellinghorst, der unterstützen sollte, sind wir in engem Austausch. Wir bedauern natürlich, dass dort seitens des Veranstalters auch finanzielle Hoffnungen geweckt wurden, die nicht erfüllt werden.
 
Wir als Verwaltung haben durchaus Erfahrung mit Großveranstaltungen, u.a. hat 2016 das riesige Konzert "WDR2 - Für eine Stadt" mit rund 30.000 Besucher im Wittringer Wald stattgefunden. Dabei hatten wir aber einen seriösen und erfahrenen Veranstalter an der Seite, der alle Auflagen und Genehmigungen erfüllt hat."
 
Rückerstattung
 
Hier prallen also unterschiedliche Wahrnehmungen aufeinander und es bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich dieses Possenspiel am Ende entwickelt. Die Kunden, die Karten gekauft haben, sollen nun innerhalb von vier bis sechs Wochen das Geld laut Veranstalter zurück erstattet bekommen. Warum Karten hierfür bis vor wenigen Tagen noch erhältlich waren, ist dabei nicht ganz verständlich. Ebenso unverständlich ist, warum die Kommunikation im Vorfeld über die Social Media Kanäle lief und nicht über die Gladbecker Presse. Jede Menge Fragen, abwarten auf die Antworten.

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